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A N L A G E P E R S P E K T I V E
Einschätzung für die nächsten Monate
Dezember 2011
                       

 

Rückblick und Ausblick

Das Anlageumfeld hat sich in den letzten Monaten schnell und dramatisch verschlechtert. Die Schuldenkrise als das Hauptthema der letzten Monate hat alle anderen Aspekte der Weltwirtschaft, welche bis dahin noch in guter Verfassung war, komplett in den Schatten gestellt. Wahrscheinlich wird ein grosser Teil der europäischen Länder inzwischen bereits in eine Rezession abgeglitten sein  dürfte es nicht mehr lange dauern, bis auch solidere Länder in bis anhin robusterer Verfassung ebenfalls angesteckt sein werden. Zusammenfassend müssen wir uns im Jahr 2012 auf folgende wirtschaftlichen Parameter einstellen: Verlangsamtes Wachstum oder gar Rezession, kurzfristige Zinsen nahe bei Null, mässige Inflation, sowie hektische Umschuldungsaktivitäten in Europa. Zudem werden die Politiker aller Länder mit einer Flut von politischen Massnamen und einer zunehmenden Regulierungswut aufwarten, welche populistisch als Strafexpedition gegen den Kapitalismus bemäntelt sein wird.            

 

Rohstoffe

Für die nächsten Monate erwarten wir relativ stabile Rohstoffpreise. Grössere Preisausschläge erwarten wir nur bei Edelmetallen. In einem Marktumfeld, wo alles andere schlecht aussieht, suchen Anleger zunehmend Schutz im Gold. Dies könnte den Goldpreis auf neue Höhen hinauf treiben. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass das Gold nur immer genau denjenigen Wert hat, welchen die Anleger ihm jeweils gerade beimessen. Da die Goldpreisbildung vornehmlich durch die Anlegerpsychologie bestimmt wird, erübrigt sich die Frage, ob die Höhe des Goldpreises nun gerechtfertigt sei oder nicht. Das macht den Goldpreis umso anfälliger, je höher er steigt.

 

Konjunktur

Es ist bezeichnend, dass wir hier in erster Linie nicht über die Konjunktur sprechen, sondern über die Schulden- und die Eurokrise. Bedrohlich steht hier die Refinanzierung einer Schuldenlast der europäischen Staaten und Banken in der Höhe von Hunderten von Milliarden im Jahr 2012 an, wovon über 400 Milliarden allein für das wankende Italien. Es ist zurzeit völlig unklar, wie diese Umschuldungen vonstatten gehen sollen. Einige Kommentatoren sagen denn auch bereits den Kollaps der Eurozone voraus. Aber so leicht wäre das Rad der Geschichte gar nicht zurückzudrehen. Zum einen wäre die Rückgängigmachung mit enormen Kosten für alle Beteiligten verbunden, und zum andern steht viel mehr auf dem Spiel als nur Finanzielles, im schlimmsten Fall sogar der Fortbestand der Europäischen Union.

Überdies werden Europas Probleme nicht bloss durch eine Umschuldung zu lösen sein. Das eigentliche Problem liegt viel tiefer und ist struktureller Natur. Seit der Einführung des Euro Ende der neunziger Jahre haben sich die Stückkosten für in Griechenland produzierte Güter um 67% verteuert, in Spanien um 56%, Portugal 47%, Italien 41%, während in Deutschland der entsprechende Wert nur gerade bei 9% liegt. Das bedeutet nichts anderes, als dass die im südlichen Europa produzierten Güter nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Hauptsächlich ist die Entwicklung der Personalkosten daran schuld: Während sich Deutschlands Arbeitskräfte mit mässigen Erhöhungen zu begnügen hatten, wurde im südlichen Europa mit der grossen Kelle ausgeschöpft. Um nun die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder wieder herzustellen, steht Europa im Wesentlichen vor zwei Alternativen. Die kurzsichtig einfachste Lösung für die betroffenen Länder wäre, sich  zahlungsunfähig zu erklären, - selbstverständlich verbunden mit einem tüchtigen Schuldenerlass -, aus der Eurozone auszusteigen, ihre Währungen abzuwerten – und schon wäre man wieder konkurrenzfähig. Europa’s Politiker aber werden wohl den entgegengesetzten Weg beschreiten und werden sich mit Händen und Füssen am Euro festkrallen, wohl unter der Führung und weitgehend zu den Konditionen von Deutschland als Europas Hauptgläubiger und Zahlmeister. Man wird versuchen, Europa sowohl politisch als auch fiskal vermehrt zu einigen, und man wird verschärfte Kontrollmechanismen einführen. Das wiederum, verstärkt durch die Auswirkungen der notwendigen  Sparbestrebungen in den betroffenen Ländern, wird zu gross angelegten Demonstrationen, Streiks und dergleichen führen. Wie die jüngere Vergangenheit gezeigt hat, nimmt die Protestbereitschaft stetig zu. Vordergründig geht es dabei um auswuchernde Fehlleistungen des Kapitalismus, doch im Wesentlichen ist es viel simpler: Wer wird denn schon gerne sein Einkommen und seine als gesichert erachteten Pfründen beschneiden lassen wollen, selbst wenn es eine Krisensituation noch so erfordern sollte? Wie auch immer: das Jahr 2012 wird zu einem turbulenten Jahr des hektischen politischen Aktivismus’ werden, und die Schulden- und Eurokrise werden auch weiterhin alle anderen Agenden und Anlagethemen dominieren.    

Nun aber doch noch ein Wort zu einigen wirtschaftlichen Parametern: Sehr wahrscheinlich sind viele Länder Europas bereits in eine Rezession abgetaucht, und die nächsten Zahlen werden erst zeigen, wie tief genau. Von den reiferen Volkswirtschaften wird wohl nur diejenige der USA im Jahr 2012 ein leichtes Wachstum aufweisen. Die Firmen werden sich auf eine Phase verlangsamten Wachstums mit fortwährenden Ertragsrückstufungen einstellen müssen. Ihre Umsätze, wohlgemerkt auf relativ hohem Niveau, werden stagnieren oder zurückgehen. Doch obwohl die Erträge zurückgehen werden, rechnen wir damit, dass gut geführte Gesellschaften in Schlüsselindustrien ihre Ertragskraft auf einem relativ hohen Niveau halten können werden.

Vor allem um den Auswirkungen der Finanzkrise entgegenzusteuern, haben die Nationalbanken in den letzten Jahren die Geldmenge in einem gewaltigen Ausmass erhöht. Dass dies bisher nicht zu einer gestiegenen Inflation geführt hat, liegt hauptsächlich daran, dass dieses Geld bisher nicht in erwartetem Ausmass zu erhöhtem Konsum verwendet wurde, sondern eher dazu, um Schulden abzubauen. Auch die Banken horten das Geld lieber, anstatt es anderen Banken auszuleihen, aus Furcht, dass diese anderen Banken ins Schlamassel der Schuldenkrise gezogen werden könnten. So wird vieles von diesem Geld unproduktiv in Firmenbilanzen gehortet. Dies dürfte auch weiterhin so bleiben, sodass die Inflation auch 2012 noch nicht stark ansteigen dürfte.     

Konjunkturprognosen für die kommenden sechs Monate:

EUROZONE

 

Wachstum:

Negativ.  

Arbeitsmarkt:

Arbeitslosigkeit 10%.

Inflation:

2.3%, stabil.

Zinsen:

Am kurzen Ende 0.8%, langfristig 2.5%, sinkend.

Anlage-Urteil:

Untergewichten.

 

 

SCHWEIZ

 

Wachstum:

Negativ.

Arbeitsmarkt:

Arbeitslosigkeit 3.6%, steigend.   

Inflation:

0.8%, stabil.

Zinsen:

Am kurzen Ende gegen Null, langfristig 1.8%, stabil.

Anlage-Urteil:

Neutral.

 

 

USA

 

Wachstum:

1.5%, sinkend.   

Arbeitsmarkt:

Arbeitslosigkeit 8.8%, sinkend.  

Inflation:

2.6%, stabil.

Zinsen:

Am kurzen Ende 0.2%, langfristig 2.8%, stabil. 

Anlage-Urteil:

Übergewichten.

 

 

JAPAN

 

Wachstum:

Negativ.   

Arbeitsmarkt:

Arbeitslosigkeit 4.5%.

Inflation:

Negativ.  

Zinsen:

Am kurzen gegen Null, langfristig 1.2%, stabil.

Anlage-Urteil:

Untergewichten.

 

Währungen

Seit Jahren haben wir auf die Stärke des Schweizerfrankens als weltweit stärkste Währung hingewiesen und haben wir unsere Währungsbestände zum grössten Teil gegen Wechselkursverluste abgesichert. Vor einigen Monaten hingegen haben wir diese Absicherungen aufgelöst, weil wir nunmehr von einem schwächeren Franken ausgehen. Warum? Wie hier oben bereits erwähnt, werden auch solidere Länder mit bis anhin robuster Wirtschaftslage, wie die Schweiz, zunehmend durch die Auswirkungen der Schuldenkrise in anderen Ländern angesteckt. Auf die Schweiz bezogen bedeutet dies, auf einen einfachen Nenner gebracht, dass die Probleme von Europa halt eben auch die Probleme der Schweiz sind. Während die Schweizer Wirtschaft in der Vergangenheit zwar öfters bewiesen hat, mit einer starken Währung leben zu können, so war die Preisexplosion des Schweizerfrankens gegenüber allen anderen Währungen im Jahr 2011 schlicht zuviel. Um auf den Weltmärkten konkurrenzfähig bleiben zu können, musste die Schweizer Exportwirtschaft ihre Preise zünftig stutzen, was zu einer beträchtlichen Margenerosion geführt hat. Indes sich die Schweizer Exportwirtschaft zunehmend ausserstande sieht, konkurrenzfähig offerieren zu können, bekommt auch die Schweizer Tourismusbranche die Auswirkungen des hohen Frankens zu spüren: Die Buchungen für die Wintersaison sind um alarmierende 5% tiefer als im letzten Jahr. Damit ist ein schwächerer Franken im ureigensten Interesse der Schweiz. Indem die Schweizer Nationalbank kürzlich bekannt gegeben hat, dass sie eine Interventionsgrenze von 1.20 gegen Euro ungeachtet  aller Kosten verteidigen werde, hat sie sich dazu eingeschworen, den Franken zu schwächen, und wird sie dieses Ziel auch weiterhin hartnäckig verfolgen. Somit dürfte der Schweizerfranken 2012 zur Schwäche neigen.

Die Rolle der stärksten Währung dürfte 2012 dem US Dollar zufallen. Während die Fundamentaldaten längerfristig unverändert auf einen schwächeren Dollar hindeuten, sieht es kurzfristig positiver aus. Erstens wird die US Wirtschaft unter den reiferen Märkten eine der stärksten sein. Zweitens wird die Europäische Zentralbank die Zinsen senken müssen, während dies für die Federal Reserve Bank nicht zutrifft. Und drittens werden die USA schneller ihren Weg aus der Schuldenkrise finden, selbst wenn dies auf Kosten von unpopulären Steuererhöhungen vonstatten gehen müsste, ganz einfach weil die US Politik schlagkräftiger ist als die europäische,  welche beständig durch den langwierigen Prozess behindert wird, dass immer alle Länder ins Boot geholt werden müssen.

Währungsprognosen für die kommenden sechs Monate:

EURO

Schwächer.

Anlage-Urteil:

Untergewichten.

 

 

FRANKEN

Schwächer.  

Anlage-Urteil:

Neutral.

 

 

US Dollar

Stärker.                                                         

Anlage-Urteil:

Übergewichten.

 

 

YEN

Stabil.  

Anlage-Urteil:

Neutral.

 

Anlagegewichtung

Angesichts des oben skizzierten trüben Szenarios steht bei unserer Vermögensverwaltung in der  nächsten Zeit die Kapitalerhaltung zentral. Wir werden in gut geführte Firmen in defensiven Branchen investieren, von denen wir annehmen, dass sie ihre Ertragskraft auf relativ hohem Niveau halten können. Wegen der gegenwärtigen Unwägbarkeiten werden auch solche Firmen nicht unbedingt wissen, wie und wo sie ihr Geld investieren sollen. Demzufolge werden sie ihr Geld nutzen, um einerseits noch mehr Schulden abzubauen, und anderseits, um ihren Anteilseignern Geld zurückzuerstatten.

Auch die Schwellenländer bieten momentan keine echte Anlagealternative. Viele von diesen Ländern befinden sich bis anhin zwar in einer wirtschaftlich guten Verfassung und sind auch gewiss nicht überbewertet. Dennoch ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch solche Länder in den Strudel gerissen werden. Zudem besteht bei solchen Ländern zurzeit ein beträchtliches Währungsrisiko.

Unsere Anlagen werden wir mit einigen Investments im Bereich von Gold sowie anderen Edelmetallen und Rohstoffen abrunden.  

      


AKTIEN

Wir rechnen mit sinkenden Aktienkursen bis ins zweite Halbjahr 2012 hinein. Demzufolge reduzieren wir unsere Aktienquoten auf ein Minimum. Wir konzentrieren uns auf gut geführte Firmen in defensiven Branchen mit einer  erwiesenen und nachhaltig hohen Ausschüttungsquote. Konsumtitel meiden wir.  

Anlage-Urteil:

Untergewichten.

 

 

OBLIGATIONEN

Während die Schulden der öffentlichen Hand ansteigen, werden die Firmen ihre Bilanzrelationen weiterhin verbessern. Wir vermeiden Staatsanleihen nach wie vor und bevorzugen Anleihen von soliden Unternehmen. Im Hinblick auf mögliche Auswirkungen durch die europäische Schuldenkrise werden wir Europa untergewichten und die USA übergewichten. Zur Depotbeimischung werden wir einige hochverzinsliche US Anlagen sowie Anleihen in SEK und NOK verwenden.  

Anlage-Urteil:

Neutral.

 

 

LIQUIDITÄT

  

Anlage-Urteil:

Übergewichten.

 

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