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A N L A G E P E R S P E K T I V E

Einschätzung für die nächsten Monate

Juli 2010

                       

 

 

Rückblick und Ausblick

 

Schlagworte wie Schuldenkrise und Double Dip sind das Thema der Stunde. Konkret erwarten viele Markteilnehmer nach der jüngsten scharfen Rezession noch eine zweite Rezession. Entsprechend haben alle massgeblichen Aktienindizes das erste Halbjahr in den roten Zahlen abgeschlossen. Doch bei allem Gerede über Staatsverschuldungen und Sparprogramme wird etwas gar leichtfertig übersehen, was sich zurzeit vor allem in den europäischen Industriehallen abspielt: Dort wird nämlich auf Hochtouren produziert und exportiert. Der Produktionsanstieg ist der stärkste seit zehn Jahren, und der schwache Euro unterstützt die Erwartungen vieler Unternehmen, dass sich dieser Trend auch im zweiten Halbjahr fortsetzen wird. – Wir persönlich werten die gegenwärtige Abwärtsbewegung an den Aktienbörsen vorerst einmal nicht als eine neue Baisse, sondern eher als eine ziemlich normale Korrektur in einem nach wie vor intakten Aufwärtstrend, welcher im Frühling 2009 eingesetzt hat und seither die Kurse ziemlich ungestüm nach oben getrieben hat. Zwar gehen wir von einem weiteren Korrekturpotential nach unten aus, doch sehen wir uns vorerst noch nicht veranlasst, unsere Asset Allocation grundlegend zu verändern, zumal unseres Erachtens gerade eine stabile und nicht auf Bauchentscheiden fussende Asset Allocation langfristig noch immer die besten Resultate gebracht hat. Immerhin haben wir unsere Aktienquoten etwas zurückgebracht.  

 

 

Rohstoffe

 

Mit wenigen Ausnahmen haben sich die Rohstoffpreise im ersten Halbjahr seitwärts oder gar leicht abwärts bewegt, eine Entwicklung, welche sich im letzten Quartal noch akzentuiert hat: Das letzte Quartal war das schwächste seit über einem Jahr. Die Ausnahmen betreffen vor allem einige Edelmetalle, wie Gold, Platin und Palladium, allen voran der Goldpreis, welcher um 12% stieg.  Noch besser entwickelten sich der Kaffee- und Erdgaspreis. Die Ursache für die mässige Preisentwicklung auf den Rohstoffmärkten ist die Sorge um das weitere Wachstum der Weltwirtschaft, vor allem in den USA und China (vgl. hiernach unter Konjunktur). Vor diesem Hintergrund ist damit zu rechnen, dass sich die Rohstoffpreise wohl auch im restlichen Verlauf des Jahres eher gleichförmig bewegen werden, mit Ausnahme des Goldpreises, welcher einer Eigendynamik folgt. Das Gold verdankt seine schon seit geraumer Zeit anhaltende Hausse zu einem grossen Teil dem mangelnden Vertrauen der Anleger in die Weltwirtschaft im Allgemeinen und in das internationale Währungsgefüge im Besonderen. Das Spektrum dieses fehlenden Vertrauens umfasst alle Schattierungen, von einer allgemeinen Ratlosigkeit bis hin zu Szenarien eines kompletten Zusammenbruchs entweder des internationalen Währungsgefüges oder gar der gesamten Weltwirtschaft, bis hin zu apokalyptischen Weltuntergangsszenarien. Auf dem gegenwärtigen hohen Preisniveau stufen wir die Gefahr eines Absackens des Goldpreises jedoch höher ein als die Chance auf einen weiteren markanten Anstieg.

 

 

Konjunktur

 

Während in den letzten Monaten vor allem die Schuldenkrise vieler Staaten Anlass zu Besorgnis gegeben hatte, sind in jüngster Zeit weitere Wolken am Firmament des Weltkonjunkturhimmels aufgezogen. Bedrohlich ist dies insbesondere, weil die Gewitterfronten sich just über den beiden führenden Volkswirtschaften der Welt bilden, den USA und China, das Japan wahrscheinlich noch dieses Jahr als zweitgrösste Wirtschaft ablösen wird. In den USA ist der Index für das Konsumentenvertrauen im Juni überraschend stark gesunken, was für eine Konjunktur, die zu rund zwei Dritteln durch die Ausgaben der Konsumenten alimentiert wird, schon Anlass zu Bedenken gibt. Auch vom amerikanischen Immobilienmarkt kommen wieder vermehrt negative Impulse. Nach dem Auslaufen der Steuerbegünstigungen zum Kauf von Eigenheimen im April ist die Nachfrage offenbar förmlich zum Stillstand gekommen. Der Verkauf von neuen Eigenheimen ist mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von 300’000 so niedrig wie seit 50 Jahren nicht mehr. Skeptiker sehen sich dadurch in ihrer Ansicht bestätigt, dass sich die Lage am Immobilienmarkt trotz massiver Staatshilfe nicht gebessert hat. Nun macht der Verkauf von Eigenheimen zwar nur einen kleinen Teil des Bruttoinlandproduktes aus, doch kommt den Immobilien in den USA traditionell eine wichtige Vermögensbildungsfunktion zu. Da viele Amerikaner ihre Häuser selber besitzen, sind sie direkt an der Preisentwicklung am Immobilienmarkt beteiligt. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise sitzen die Amerikaner nun aber auf Immobilien, die ständig an Wert verlieren. Somit fühlen sie sich ärmer, und entsprechend sitzt ihnen der Geldbeutel nicht so locker wie auch schon. Zentral ist der Immobilenmarkt auch für die hiesigen Banken, deren Bilanzen ungewöhnlich stark davon abhängig sind. Falls die Banken durch sinkende Immobilienpreise noch mehr Verluste in ihren Bilanzen realisieren müssen, werden sie dadurch in ihrer Rolle als Kapitalgeber für die Wirtschaft beeinträchtigt. Somit gilt der Immobilienmarkt durchaus zu Recht als wichtiger Indikator für die Konjunktur und die Entwicklung am Aktienmarkt. Die einzige gute Nachricht ist, dass die Nachfrage nach Eigenheimen mittlerweile so schwach ist, dass eine weitere Verschlechterung der Situation fast nicht mehr denkbar ist. – Was nun China betrifft, so zeichnet sich dort ab, dass sich das heissgelaufene Wachstum in den kommenden Monaten merklich abkühlen könnte. Diejenigen Auguren allerdings, welche bereits vor einer harten konjunkturellen Landung in China warnen, verkennen, dass sich das chinesische Wirtschaftswachstum gemäss Prognosen des Internationalen Währungsfonds selbst nach Abkühlung vorerst immer noch im hohen einstellen Bereich bewegen dürfte. 

 

Konjunkturprognosen für die kommenden zwölf Monate:

 

EUROZONE

 

Wachstum:

Anstieg von ca. -4% im Jahr 2009 auf +1% bis +2% per Ende 2010.  

Arbeitsmarkt:

Arbeitslosigkeit: Einstweilen ein weiterer Anstieg, dann leicht fallend, per Saldo 2010 unverändert gegenüber Ende 2009 bei rund 10%.

Inflation:

Anstieg von ca. 0.8% für 2009 auf 1.3% bis 1.7%.

Zinsen:

Am kurzen Ende 0.3% bis 1%, langfristig um die 2.8% bis 3.3%, stabil bis leicht steigend.

Anlage-Urteil:

Neutral.

 

 

SCHWEIZ

 

Wachstum:

Anstieg von ca. -2% im Jahr 2009 auf +2% per Ende 2010.

Arbeitsmarkt:

Arbeitslosigkeit: Einstweilen ein weiterer Anstieg, dann leicht fallend, per Ende 2010 bei rund 5%.   

Inflation:

Anstieg von unter 0% für 2009 auf max. 1% per Ende 2010.

Zinsen:

Am kurzen Ende gegen Null, langfristig unter 2%, stabil bis leicht steigend.

Anlage-Urteil:

Neutral.

 

 

USA

 

Wachstum:

Anstieg von ca. -2.5% im Jahr 2009 auf +3% per Ende 2010.   

Arbeitsmarkt:

Arbeitslosigkeit: Einstweilen ein weiterer Anstieg, dann fallend, per Ende 2010 etwas unter 10%.  

Inflation:

Anstieg von unter 0% für 2009 auf gegen 2%.

Zinsen:

Am kurzen Ende gegen Null, langfristig 3.5%, stabil bis leicht steigend. 

Anlage-Urteil:

Neutral.

 

 

JAPAN

 

Wachstum:

Anstieg von ca. -5.5% im Jahr 2009 auf 2% per Ende 2010.   

Arbeitsmarkt:

Arbeitslosigkeit: Stabil bei rund 5%.

Inflation:

Unter Null bleibend.  

Zinsen:

Am kurzen Ende gegen Null, langfristig gegen 1.2%, stabil bis leicht steigend.

Anlage-Urteil:

Neutral.

 

 

Währungen

 

Es ist die Zeit der grossen Verwerfungen an den Devisenmärkten. Der Euro hat seit Anfang Jahr gegenüber Schweizer Franken 12% verloren und hat damit unsere Anfang Jahr geäusserten starken Bedenken sogar noch übertroffen. Damit hat der Euro dem US Dollar für einmal die Show gestohlen. Während Jahren stand immer der Dollar im Blickpunkt des Interesses, doch nun scheint sich der Dollar vor allem in Funktion der internationalen Skepsis gegenüber dem Euro zu bewegen. Dass damit allerdings die fundamentalen Schwächen des Dollars nicht abgetan sind, zeigt der Rückgang des Dollars von 8% gegenüber Schweizer Franken in den letzten Wochen. Für etwas Beruhigung in den internationalen Devisenmärkten hat in jüngster Zeit immerhin die chinesische Führung gesorgt, indem sie dem breiten internationalen Druck anscheinend nachgegeben hat und endlich ihre prinzipielle Bereitschaft zu einer graduellen Aufwertung des Yuan signalisiert hat. So hat man signalisiert, den Yuan weniger stark als bisher an den Dollar zu koppeln, um allerdings im gleichen Atemzug anzufügen, man wolle den Euro nicht ausser Acht lassen. In der Tat ist die positive Seite des Eurokurszerfalls, dass dadurch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Exporteure erheblich gesteigert worden ist, was nicht nur den Chinesen ein Dorn im Auge ist. Somit bleibt mit Skepsis abzuwarten, inwiefern die chinesische Bereitschaft zur Aufwertung des Yuan bloss ein Lippenbekenntnis gewesen ist. So oder so wird sich auch in den kommenden Monaten alles um den Euro drehen. Sollten neben Griechenland auch noch andere europäischen Staaten in immer grössere Schwierigkeiten geraten, so würde dies unweigerlich den Druck auf den Euro erhöhen, was gar zu einer regelrechten Zerreissprobe für das Eurogefüge anwachsen könnte. Weltweit die solideste Währung bleibt weiterhin der Schweizer Franken. Seit die Schweizer Nationalbank ihre aussichtlosen Interventionen zur Schwächung des Frankens aufgegeben hat, hat der Franken gegenüber Euro um weitere 8% zugelegt. Der starke Franken beginnt inzwischen die Schweizer Exporteure stark zu behindern, was sich in nicht zu vernachlässigendem Ausmass negativ auf die Schweizer Konjunktur auswirken könnte.

 

Währungsprognosen für die kommenden zwölf Monate:

 

EURO

Schwächer.

Anlage-Urteil:

Untergewichten.

 

 

FRANKEN

Steigend. – Die jüngste Finanzmarktkrise ist eine Schuldenkrise, und die Schweiz ist nun einmal keine Schuldnerin. Im Gegenteil: Die Schweiz weist eine der stärksten Vermögensbilanzen der Welt vor. 

Anlage-Urteil:

Stark übergewichten.

 

 

US Dollar

Schwächer.                                                         

Anlage-Urteil:

Untergewichten.

 

 

YEN

Schwächer.  

Anlage-Urteil:

Untergewichten.

 

 

Anlagekategorien

 

Wir befinden uns momentan in der paradoxen Situation, dass trotz guter Geschäftszahlen die Börsenkurse sinken, weil die staatlichen Haushaltsprobleme die Börsen belasten. Damit zeigt sich wieder einmal auf eindrückliche Weise das Phänomen der selektiven Wahrnehmung an den Börsen: Dominiert ein Thema erst einmal die Diskussion, so werden alle andere Informationen schlicht nicht wahrgenommen. Konsensschätzungen sagen für börsenkotierte Unternehmen im Jahr 2010 ein durchschnittliches Gewinnwachstum von rund 48% (Asien), 41% (Europa) und 35% (Nordamerika) voraus, und auch für die kommenden Jahre werden Profitsteigerungen von etwa 20% (2011) und 13% (2012) erwartet. Aber statt dass die Aktienkurse entsprechend steigen, haben die wichtigsten Aktienindizes seit Jahresbeginn deutlich an Boden verloren, von den USA (Dow Jones Industrial:

-7%) über Europa (Euro Stoxx 50: -15%) bis hin zu Asien (Nikkei: -13%, Hang Seng: -8%). Fundamentaldaten und Marktentwicklung klaffen inzwischen so weit auseinander wie seit Jahrzehnten nicht mehr, was belegt, wie gründlich die Krise um die Staatsverschuldungen die Stimmung an den Börsen verdorben hat.   

      

AKTIEN

Ganz allgemein betrachtet sind die Aktien der Eurozone im internationalen Vergleich recht günstig bewertet. Insbesondere dürften stark exportorientierte Unternehmen von der gegenwärtigen Konstellation des schwachen Euro profitieren. Bei stark exportorientierten Schweizer Aktien sind wir indessen etwas vorsichtiger geworden, denn wiewohl sich die Schweizer Wirtschaft bislang erstaunlich gut gehalten hat, könnte der starke Franken auf längere Sicht sehr wohl die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Unternehmen gefährden.      

Anlage-Urteil:

Neutral.

 

 

OBLIGATIONEN

Wir bevorzugen nach wie vor Anleihen von unterbewerteten, soliden Unternehmen mit erheblichem Aufschwungspotential.  

Anlage-Urteil:

Neutral.

 

 

LIQUIDITÄT

  

Anlage-Urteil:

Neutral.

 

 

Branchen

 

Pharma

Gesundheits-

wesen

Medizinal-technologie

Getrieben durch Faktoren wie die stets älter werdende Bevölkerung, den Trend zur Selbstmedikation sowie die steigende Kaufkraft in den Schwellenländern, stufen wir dieses Segment als eindeutige Wachstumsbranche ein. Vorrang verdienen Unternehmen mit gut gefüllter Pipeline an neuen Produkten, insbesondere im Bereich der Krebsbehandlung.

 

 

Alternative Energien

Die auf dem Gebiet der alternativen Energien tätigen Unternehmen werden den Weg zu einer Zukunft ohne Erdöl bereiten; daran führt kein anderer Weg vorbei. Wir setzen auf die soliden Marktführer und aussichtsreichsten Pioniere in den respektiven Geschäftsfeldern.

 

 

Nahrungsmittel

Nahrungsmittel-Titel haben wegen ihrer zuverlässigen Gewinnentwicklung und der relativ geringen Volatilität die Eigenschaft, Portefeuilles auszubalancieren und können somit als Kernwerte eines Portefeuilles dienen.  

 

 

Versorgung

Für dieses Segment gilt das gleiche wie für Nahrungsmittel, doch muss hier der etwas höheren Volatilität Rechnung getragen werden.

 

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© Personal Asset Management AG